Nach dem Gottesdienst, der kirchlichen Trauung von Henning und Claudia Schneider, drängten die Gottesdienstbesucher nach vorne in den Altarraum, dem jungen Paar zu gratulieren. Zusammen mit zahlreichen Gästen waren beide in die Kirche St. Michael gekommen.
Als Trauspruch hatten sie sich einen Vers aus der weisheitlichen Literatur des Alten Testamentes ausgewählt. In diesen Texten werden Erfahrungen von Menschen über Generationen verdichtet wieder gegeben. Wenn wir diese Texte hören und lesen, werden bei uns schnell auch eigene Erfahrungen wieder wachgerufen.
Der Trauspruch von Claudia und Henning Schneider lautet:

Ich kann mir fast vorstellen, dass die Polizei diesen Vers für die Dienstanweiung der Beamten abgeschrieben hat; denn Polizisten nehmen ihren Dienst in der Regel immer zu zweit - mindestens - wahr. Immerhin haben Claudia und Henning Schneider sich so kenengelernt. In der Zeit zwischen Ausbildung und Beruf haben sie auf einer Polizeistation in Flensburg gearbeitet. Und die Dienstpläne sahen vor, dass beide zusammen auf Streife fahren. Langsam hat sich Zuneigung zwischen ihnen entwickelt; Liebe ist gewachsen.
Aus Liebe zueinander sind sie nach ihrer standesamtlichen Trauung Ende Mai nun am 13. August 2011 in die Kirche St. Michael gekommen, um sich vor Gott und der anwesenden Gemeinde das Ja-Wort zu geben. Und dieses Ja in der Kirche ist ein Ja des Glaubens:
Ja, ich glaube, dass Gott sie zusammengeführt hat durch manches, was sich zufällig auf Grund der Dienstpläne ergeben hat, und mit allem, was sie beide dann gezielt und in liebevoller Absicht unternommen haben, um einander nahe zu sein. Zugleich ist ihr Hochzeitstag der 50. Jahrestag des Mauerbaus. Wäre die Grenze zwischen beiden deutschen Staaten nicht vor gut 20 Jahren gefallen, hätten beide wohl keine Chance gehabt, sich zu begegnen - Ja, ich glaube: Gott hat die Wege geebnet, dass sie sich begegnen konnten und lieben.
Das Ja des Glaubens in der Kirche ist aber nicht nur rückwärtsgewandt; es ist vor allem nach vorne gewandt: Ja, ich glaube: Gott will, dass Claudia und Henning Schneider zusammen bleiben, miteinander leben und sich das Leben gegenseitig bereichern: