Ein krönender Abschluss

Ein Hauch von Griechenland lag am vergangenen Dienstag über der Martinsheide. Der Kirchenvorstand der St. Michael-Kirchengemeinde hatte zu einem Osterlammessen eingeladen. Diese Veranstaltung bildete den vorläufigen Schluss- .und Höhepunkt der neuen, sehr erfolgreichen Veranstaltungsreihe “Biblische Gerichte und Geschichten”.

Von mittags um 13.00 Uhr bis spätnachmittags 18.30 Uhr drehten sich auf dem Außengelände der St. Michael-Kirche zwei Lämmer über zwei Erdgruben mit Holzkohle.

Im Verlauf des Tages sahen sie immer verlockender aus: Knusprig und braun. Vorbereitet und zubereitet wurden die Leckerbissen vom Team des Restaurants “Platon” unter Leitung des Besitzers, Herrn Kritikos. Er und sein Team stellten nicht nur ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung, sondern auch ein Büfett mit abwechslungsreichen typischen Beilagen. Da war es nicht überraschend, dass die Gäste im ausgebuchten Gemeindehaus mit gut gefüllten Tellern vom Büffet zurückkamen, und manch einer diesen Weg auch zwei- und dreimal machte. Wie vom Konzept der Veranstaltungsreihe vorgesehen, folgte, nachdem man sich die Essen schmecken lassen hatte, der Nachschlag mit geistiger Nahrung. Es wurden die Hintergründe zu diesem biblischen Essen dargestellt.

Als einen Grund für den späten Zeitpunkt dieses “Osterlammessens” gab Herr Kritikos die Tatsache an, dass in der griechisch-orthodoxen Kirche in drei von vier Jahren das Osterfest eine Woche später als in den anderen christlichen Kirchen gefeiert wird. “Was bei Ihnen das Weihnachtsfest ist, ist bei uns das Osterfest” unterstrich Herr Kritikos die Bedeutung des Osterfestes für die griechisch-orthodoxe Kirche. Nach einem 40tägigen strengen Fasten beginnt das Osterfest in der Osternacht (mit einem Gottesdienst. Bei Sonnenaufgang verlassen die Gläubigen die Kirche und der Pfarrer leitet mit dem Satz: “Christus ist auferstanden” das weitere Fest ein. Man feiert in der Familie. Streit und Konflikte sind an diesem Tag vergessen. “Ein Lamm oder ein Zicklein ist das Standardgericht an diesem besonderen Tag,” berichtete Herr Kritikos. Man sitzt zusammen, isst und trinkt und pflegt die traditionellen Osterbräuche.

Anschließend erläuterte Pastor Heinrich Schulze, die geschichtliche Entwicklung des Osterlammes in den westlichen Religionen. Seinen Ursprung hat das Osterlamm im jüdischen Passahfest: Vor ihrem Auszug aus der Unterdrückung in Ägypten wurde in allen jüdischen Familien ein Lamm geschlachtet, sein Blut an die Türpfosten gestrichen und das Fleisch vollständig aufgegessen – gleichsam als Wegzehrung für den langen Weg durch die Wüste. Alle, die von diesem Lamm gegessen haben, wurden gerettet.
Im Johannesevangelium und in der christlichen Kirche wird Jesus als das “Lamm Gottes“ gesehen und besungen, das “die Sünden der Welt trägt“. So in der Liturgie des Abendmahles. In den westlichen Kirchen – im Unterschied zur Orthodoxen Kirche in Griechenland – wird zu Ostern ein besonderes Brot in Form eines liegenden Lammes gebacken und zum Osterfrühstück angeschnitten.

“Mir hat es ausgezeichnet geschmeckt und es waren sehr interessante Informationen,” fasste eine Teilnehmerin ihre Eindrücke vom Abend bei der Verabschiedung zusammen, und “Gibt es eine Fortsetzung?”
Willi Biermann