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Abendmahl - Fest des Lebens

Seit sieben Jahren wird in St. Michael das Abendmahl am Gründonnerstag in besonderer Form gefeiert: Im Eingangsbereich der Kirche sind Tische und Stühle aufgestellt. Frauen aus dem Kreativkreis haben alles festlich geschmückt. Schon zur gottesdienstlichen Feier sitzen die Menschen an den Tischen - und jedes Jahr ist es eine große Gemeinde, die sich zu diesem Gottesdienst einladen lässt. Für dieses Jahr war der Platz erweitert: Vier Bänke waren aus der Kirche auf die Empore geschafft worden.
Zusammen mit einem festlich geschmückten Altartisch und dem Kreuz aus dem Gemeindehaus an der Kirchenwand war so ein eigener Kirchenraum in der Kirche entstanden. Die Kerzen an den Wänden verstärkten den Charakter eines eigenen Raumes.
Etwas Besonderes ist natürlich das Erleben in diesem Gottesdienst: die Menschen sitzen nicht nur neben- und hintereinander. An den Tischen sitzen sie sich gegenüber und nehmen sich gegenseitig wahr.

Die Fußwaschung

Das Evangelium des Tages war Predigttext: die Fußwaschung. Nur der Evanglist Johannes erzählt davon. Nach dem gemeinsamen Mahl nimmt Jesus eine Schale Wasser, um seinen Jüngern die Füße zu waschen. Petrus will das nicht zulassen; umgekehrt sollte es sein.
In vornehmen Häusern war es durchaus üblich, dass den Gästen von Dienern die Füße gewaschen wurden. Es war ein niedriger Dienst der einfachsten Diener.
Jesus macht sich zum Diener der Seinen. Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein - heißt es in einem Weihnachtslied. Und wer sich so von Jesus bedienen läßt, der wird ganz rein. An bekommt Anteil am Leben Jesu, einem Leben, dass nicht im Tod endet, sondern ins ewige Leben führt.

Dienstleistungsgesellschaft

Mit seiner Fußwaschung will Jesus zugleich Beisiel geben: auch wir sollen einander so dienen.
Dabei ist es für mich interessant, einmal u bedenken, welchen Stellenwert in unserer Gesellschaft solche und ähnliche Dienste haben. Mit Arbeit, die direkt den Mitmenschen dienst, kann man nicht sonderlich viel Geld verdienen; im Gegenteil: entsprechende Berufe sind schlecht bezahlt. Das gilt für die Pflege in Altenheimen, Pflegeheimen, Krankenhäusern oder häuslichen Pflegediensten. Pflegebedürftige Menschen werden oftmahl ruhiggestellt und nicht so gepflegt, dass ihre eigene Lebensqualität verbessert wird und sie wieder selbstständiger das Leben gestalten können.
Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten, Lehrerinnen und Lehrer an Schulen müssen immer mehr leisten und kreativer ihren Beruf gestalten - ihre Bezahlung ist nicht immer die Beste.

Eine Frau hat täglich ihren Mann besucht und Stunden an seinem Bett gesessen. Er lag im Koma. Es war nicht klar, ob er es schaffen würde. Die Frau könnte nicht mit ihm reden, aber zu ihm sprechen. Sie konnte seine Hand halten. Sie konnte ihn streicheln. Das Erstaunliche war: Schon, wenn sie nur an seinem Bett saß, in seiner Nähe war, ging das Fieber bei ihm runter, besserte sich sein Befinden.
Erstaunlich, was die Frau da "leistet" - ohne dass auch nur jemand auf die Idee käme, das zu entlohnen. Aber die möglichen Dienste in direkter Zuwendung und Hilfe zu den Mitmenschen - wir können sie gar nicht hoch genug einschätzen und würdigen.

Guten Appetit

Beim gemeinsamen Abendmahlwurden Brot und Kelch herumgereicht und weiter gegeben. Teilgenommen hat auch Konfirmanden mit ihren jüngeren Geschwistern. Das ist gut.
Am Abendmahl teilnehmen darf jede und jeder, der getauft ist und damit zur Gemeinde Jesu Christi gehört. Natürlich ist es gut, wenn die jungen Menschen im Konfirmandenunterricht - oder auch in Gruppen für Kinder und Jugendliche - die Bedeutung des Abendmahles erfahren.

Zu diesem Gottesdienst am Gründonnerstag gehört auch ein gemeinsames Essen - einfach und sättigend: Fladenbrot mit Butter und Salz, dazu Wasser und Wein.