Sie sind hier: Kirchenjahr Reformen

Die Kirche ist eine, die immer reformiert werden muss.
Das Original dieses Satzes ist vielen Menschen in seiner lateinischen Fassung vertraut:
Ekklesia semper reformanda est.
Vor Jahren wurde das Kirchengebäude St. Nikolai in Alfeld aufwendig renoviert. Es gab einen langen Bauzaun um die Kirche. Das Gymnasium Alfeld machte daraus ein Projekt, bei dem mehrere Unterrichtsfächer beteiligt waren: Kunst und Religion.
Ein Bild von Maren Gummert und Arne Herbote hat mich besonders angesprochen:

Das Bild ist ungefähr zwei mal drei Meter groß gewesen. Ein Teppich wird ausgeklopft. Die Pastorin schlägt kräftig zu. Staub fliegt durch die Lust.
Der Teppich hat die Form einer Kirche. Sie ist über eine Teppichstange gehängt und wird entstaubt. Die Uhr - sie hängt auf dem Kopf - zeigt fünf vor zwölf.
Das, was sich in den vergangenen Jahren und Jahrhunderten wie ein grauer (Staub)schleier auf die Kirche gelegt hat, wird hinausgetrieben: Schmutz und Dreck, Eigeninteresse und Machtgehabe. Die Kirche soll wieder strahlen - in die Welt hinein. Sie soll den Menschen wieder eine gute Lebensgrundlage bieten. Und je mehr man sie benutzt, desto besser wird sie. So wird ja auch ein guter Teppich immer wertvoller, wenn man viel auf ihm herumläuft und ihn nicht nur zur Zierde an die Wand hängt.
Den Menschen von heute gilt es, die frohe Botschaft vom Heil der Menschen so zu sagen, dass sie diese verstehen. Dazu muss die Kirche, um es mit Martin Luther zu sagen, den "Leuten aufs Maul schauen".
Dieses Jahr fällt der Reformationstag auf einen Sonntag. Wir feiern in St. Michael das Fest um 10.00 Uhr mit einem Gottesdienst - selbstverständlich mit Abendmahl.

Leere Kirche

Ein anderes Bild am Bauzaun zeigte einen Kirchenraum: eindrücklich gestaltet mit den Pfeilern und Bögen und der Lichtführung auf den Altar zu. Und ganz klein am Altar ein Menschlein; es fällt kaum auf in dem riesigen Gebäude.
Unsere Kirchengebäude sind predigende Kirchen - und darin ein großer Schatz. Doch leider werden sie in unserer Gesellschaft immer weniger mit Leben - und Menschen - gefüllt. Ihre bauliche Unterhaltung kostet Millionen Euro jährlich - darin sind sie eine große Last.

Wohin?

Die Kirche wird sich ändern. Wir durchleiden und erleben gleichsam die Geburtsstunde einer neuen Kirche. In den bisherigen Strukturen läßt sich kirchliches Leben kaum noch gestalten und immer weniger finanzieren. Natürlich ist der Abschied von den Strukturen und Möglichkeiten, die wir schätzen und lieb gewonnen haben, schwer. Aber die Kirche wird nicht untergehen. Vielleicht wird sie selbstständiger: unabhängiger vom Staat. Ihr Apparat wird kleiner werden, weil sich die Christen in kleineren Einheiten zusammenfinden, Gottesdienste feiern und christlich zu leben versuchen. Es werden sich sehr unterschiedliche Gemeindeformen herausbilden, die nicht nur davon bestimmt sind, dass die Menschen an einem Ort zusammen wohnen.
Wir brauchen nicht in die Glaskugel zu schauen, um zu sehen, was aus der Kirche wird. Das könnte uns vielleicht Angst machen. Vielmehr dürfen wir auf das vertrauen, was Jesus in der Jahreslosung für 2004 sagt: "Himmel und Erde werden vergehen," spricht Christus, "aber meine Worte werden nicht vergehen." (Markus 13,31)