St. Michael - unsere Kirche

Kirche mit Glasgang

Am 24. Juni 1956 (Johannistag) wurde der Grundstein für die Kirche St. Michael in Nienburg gelegt. Bereits am 22. August 1956 wurde das Richtfest gefeiert.
Am Sonntag Kantate, dem 12. Mai 1957 wurde die Kirche St. Michael durch den damaligen Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche D. Dr. Hanns Lilje eingeweiht: die einzelnen Einrichtungen und Gegenstände der Kirche wurden benannt und in Gebrauch genommen.
St. Michael - darauf lässt auch schon ihr Name schliessen - wurde als eine bergende, die Gemeinde gegen die Mächte des Bösen wie eine Festung schützende Kirche gebaut.
Der Architekt Peter Hübotter hat die Kirche zusammen mit der Siedlung in der Martinsheide entworfen.
Der Taufstein in der Taufkapelle, der Altar in der Kirche und der Sockel der Kanzel sind aus Obernkirchener Sandstein gearbeitet. Das ist gut durchdacht: Wort und Sakrament sind gleichwertig und letztlich gleich wichtig! Jesus Christus begegnet uns in Wort und Sakrament - uns zum Heil und zum Leben!
Die Kirche ist geostet: Auf dem Dach der Kirche ist im Osten ein vergoldetes Kreuz aufgerichtet.
Den Erzengel Michael hat der Künstler Siegfried Zimmermann aus Hannover als lebensgroße Keramikfigur gestaltet.

Erzengel Michael - Umfassende und gute Informationen zu 'Michael' finden Sie unter www.heiligenlexikon.de

Kirche und Turm



Der Turm
der Kirche steht an der Westseite von St. Michael. Er steht ungefähr zwölf Meter von der Kirche entfernt in Richtung Süden. Kirche und Turm sind durch einen Glasgang miteinander verbunden.
In der Nähe des Turmes hat der Glasgang in beide Richtungen - von Osten und von Westen - eine Tür mit zwei Flügeln. Damit ist ein Jesuswort aus Matthäus 8,11 aufgenommen: "Viele werden kommen von Osten und von Westen und ... im Himmelreich sitzen."
Am Südende des Glasganges betritt man den Turm; er ist 30 Meter hoch. Links geht es durch eine besonders niedrige Tür in die Sakristei; sie soll den Prediger wohl an seine 'dienende' Aufgabe erinnern.

Sakristei

Gott sieht uns



In der Sakristei gibt es einen kleinen gemauerten Altar mit einer Kniebank davor. Vor jedem Gottesdienst sollten hier die im Gottesdienst handelnden Personen - Liturg, Lektoren, Kantor, Juraten, Küster, Prediger - das Rüstgebet halten. Dabei 'schaut' Gott zu: das 'Auge Gottes' ist in der Südwand der Sakristei in einem Glasfenster dargestellt. Es ist zu sehen über dem Thron Salomos, dem Thron der Weisheit, mit der doppelten Krone Davids. Der Glasmaler Hausmann aus Hamburg hat dieses Glasfenster zusammen mit dem Glasfenster in der Taufkapelle im Jahr 1957 für St. Michael gestaltet.
Über der Sakristei hängen im Kirchturm die Glocken. Für das Geläut von St. Michael wurden von der Firma Rincker in Sinn (Dillkreis) vier Glocken gegossen:

Ausstellung im Glasgang


Der Glasgang verbindet Turm und Kirche miteinander. Hier sind vier große Schautafeln. Hier ist eine ständig wechselnde und immer aktuelle Ausstellung von Farbfotos - im Format DIN-A-4 - zu sehen. Es sind Bilder aus dem Gemeindeleben. Sonntags, vor und nach dem Gottesdienst, schauen sich die Gottesdienstbesucher die Fotos an, suchen, wen sie kennen oder ob sie selbst auf den Fotos abgebildet sind.
Oben

Im Glasgang geht's bergab.

Wer den Glasgang betritt, wendet sich automatisch in Richtung Norden. Der Boden senkt sich langsam ab bis vor die eiserne Schranke der Taufkapelle.
Der Weg dorthin durch den Glasgang soll der Sammlung und Vorbereitung dienen. Langsam nähert man sich der Taufkapelle und dem Eingangsbereich der Kirche. Der Blick fällt auf das Dickglasfenster an der Nordwand der Taufkapelle. Der Glasmaler Gerhard Hausmann aus Hamburg hat dieses Kunstwerk 1957 in kräftigen Farben gestaltet:
Die Arche Noah hat schon auf den Spitzen des Berges Ararat aufgesetzt. Aber noch wird sie von den Fluten der Sintflut umspült. Die von Noah ausgesandte Taube kehrt mit einem Ölzweig im Schnabel zurück (siehe 1. Mose 8,11).
Damit erinnert das Fenster an Gottes Zorn und Strafe, an den Untergang fast aller Menschen und die Vernichtung allen Lebens in der Sintflut (siehe 1. Mose 7). Mehr noch verweist das Fenster auf das Ende der Strafe und die vergebende Gnade Gottes: Gott lässt neues Leben entstehen!

Taufkapelle

Am Ende des Glasganges steigt man noch drei Stufen in die Taufkapelle hinab; sie wirkt dadurch wie ein Wasserbecken, in dem die Taufe durch Untertauchen vollzogen werden könnte (Luther: 'Damit der alte Adam in uns ersäuft werde...')
Zu denken ist in Anlehnung an ein Wort des Paulus auch an eine Gruft: "Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus von den Toten auferweckt ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln".
Die Taufe ist mehr als bloßes symbolisches Abwaschen von Sünden, auch mehr als ein Ritus für die Aufnahme in die Kirche. Sie ist Schöpfung eines neuen Menschen und die Zusage, dass die getauften Christen an der Auferstehung Jesu Christi teilhaben: Ewiges Leben, Leben in der Auferstehung beginnt mit der Taufe! Menschenkinder werden wiedergeboren zu Kindern Gottes!
Zur Beleuchtung der Taufkapelle dienen ursprünglich nur zehn Kerzen; sie verweisen auf die 10 Gebote: leben wir nach den zehn Geboten, so können wir Menschen schon ein wenig Licht in das Dunkel unseres Lebens und des Zusammenlebens mit anderen Menschen bringen.
Oben

Vom Untergang zur Rettung

Die Bedeutung der Taufe wird an einem schweren Bronzegriff noch unterstrichen. Der Eingang zur Kirche befindet sich direkt vor der Taufkapelle - nach rechts. Die getauften Kinder werden aus der Kapelle herauf und durch die Kirchentür in die Kirche getragen. Der Bronzegriff an der linken Tür zeigt den Propheten Jona: Der Fisch hatte ihn vor dem Ertrinken, dem sicheren Tod gerettet. Drei Tage und drei Nächte war er im Bauch des Fisches gefangen gewesen. Nun wird er dem Leben zurückgegeben und vom Fisch an Land gespuckt.
Jesus selbst hat diesen Bericht von Jona und dem Fisch als Gleichnis auf sein eigenes Sterben und Auferstehen verstanden (siehe Matthäus 12,40). So sind wir durch die Taufe in das Heilsgeschehen hineingenommen: mit Christus begraben in den Tod, damit wir mit ihm auferstehen durch die Herrlichkeit seines Vaters - zu neuem ewigen Leben.
Diese Botschaft begleitet die Gemeinde in den Gottesdienstraum:
- vom Tod zum Leben
- vom Untergang zur Rettung
- vom Dunkel zum Licht.
Die Prediger werden durch Jona daran erinnert, dass man vor dem Auftrag Gottes nicht weglaufen kann.
Oben  

Vom Dunkel zum Licht

Die Kirche wird zum Altar hin immer heller

Die Menschen, die den eigentlichen Kirchraum nun von Westen her betreten, gehen dem Licht entgegen - in Richtung Osten. Sie gehen damit - symbolisch - dem wiederkommenden Herrn entgegen.
Vom Eingangsbereich zum Altarraum wird die Kirche immer heller. Und dort, am Altar, kommt der zu uns, der von sich gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12). Er kommt zu uns in seinem Wort, unser Leben hell zu machen und frei von allem, was sich als Schatten und Dunkel auf unser Leben legt. Er kommt zu uns als "Brot des Lebens" und als "Kelch des Heils" im Abendmahl. Wir nehmen ihn auf als Speise und Trank zu einem Leben aus Gott, das hineinreicht ins ewige Leben.
Die Ostwand des Altarraumes ist als einzige Wand der Kirche verputzt und weiß gestrichen. Diese Wand und der Chorraum mit Altar, Kanzel und Lesepult werden von seitlich verborgen angebrachten Fenstern erhellt. Ansonsten hat der Kirchraum nur kleine 'Oberlichter'. Darum kamen die Menschen beim Bau der Kirche auf die Idee: Hier baut die Kirche einen Giraffenstall.
Oben

Kommet her zu mir, alle...

An der hellen Ostwand ist das prächtigste und kostbarste Kunstwerk der Kirche zu sehen. Der mandelförmige Mittelteil hat dem Kunstwerk den Namen gegeben: Mandorla. Der auferstandene und erhöhte Christus thront auf einem Regenbogenthron (Offenbarung 4,1-3): Christus der Weltherrscher.
Die rechte Hand hat er mit drei abgespreizten Fingern zum Segen erhoben. In der linken Hand hält er ein Buch. Aufgeschlagen ist Matthäus 11,28 in einer wenig bekannten Übersetzung: "Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht. Ich werde eure Kraft erneuern."
Christus hat seine Augen und den Mund weit geöffnet: er, der Auferstandene, sieht uns und spricht uns an!
An die Mandorla ist in jede Richtung ein "Blatt" angehängt. Jedes Blatt ist durch eine Kugel aus Bergkristal mit dem Mittelbild verbunden. So erscheint das Gesamtbildwerk in der Form eines Kreuzes.
In den Blättern sind Symbole für die vier Evangelisten eingearbeitet:
- ein Mensch für Matthäus (unten)
- ein Stier für Lukas (links)
- ein Löwe für Markus (rechts)
- ein Adler für Johannes (oben).
Das Kunstwerk wurde 1957 von Professor Franz Rickert aus München entworfen. Zusammen mit dem Silberschmied Gerhard Glüder aus Hamburg hat er es in Kupfer, leuchtenden Emailfarben und Gold ausgeführt.

Zum Hören verurteilt

Teufelsfratze - er streckt die Zunge raus

In alten Kirchen war es üblich, dem Teufel in einer Fratze eine untergeordnete und dienende Funktion am Kirchengebäude zuzuweisen. Viele Wasserspeier sind so gestaltet. Auch bei St. Michael sollte der Teufel nach draußen verbannt werden. Vorgesehen war, dass er in die äußere Klinke der Aussentür an der Orgelempore graviert werden sollte: er sollte den Gläubigen die Tür zum Hause Gottes öffnen müssen.
Doch der 'Durcheinanderbringer' hat es geschafft, in die Kirche zu kommen. Die Mitarbeiter der Firma Bolze in Bremen haben seine Frazte auf die innere Klinke an der Aussentür vor dem Küsterraum graviert. Nun muss auch er sich anhören, dass den Menschen das Heil verkündigt wird, das wir durch Jesus Christus haben.
Oben